
Die fünf M — Schritt für Schritt zum eigenen Espresso. Der Kaffee-Bildband zum omaneo-Barista-Kurs.
Basierend auf dem elfteiligen omaneo-Barista-Videokurs (Folge 0–10), erschienen auf omaneo.de/barista-kurs.php und auf YouTube. Individualisierte Ausgabe — mit persönlicher Widmung und Barista-Zertifikat.
omaneo — und DU kannst Espresso.
Für alle, die spüren, dass aus ihrer Bohne noch mehr herauszuholen ist — und die bereit sind, selbst Hand anzulegen.

Hörst du das? Das ist kein Knopfdruck. Das ist Handwerk.
Du hast eine gute Maschine. Auf Knopfdruck ein Dutzend Kaffees — und eine Crema, die sich sehen lässt. Aber da ist dieser eine Gedanke: Aus deiner Bohne geht noch mehr — genau dein Geschmack. Das Optimum, das nur rauskommt, wenn du selbst Hand anlegst. Und du fragst dich: Kann ich das selbst? Die Antwort ist ja — und es ist leichter, als du denkst.
Vier davon bereitest du vor. Das fünfte beherrschst du am Ende im Schlaf. In dieser Staffel gehen wir jedes M einzeln durch — und am Ende ziehst du deinen Espresso selbst. Souverän. Verlässlich.

Hier stehen zwei Tassen. Beide kommen aus einer guten Maschine — aber nur eine ist ein Espresso.
Die erste hat eine dichte, haselnussbraune Crema, die sich langsam schließt. Die zweite nur einen blassen, dünnen Schaum, der schnell zerfällt. Am Ende dieses Kapitels weißt du genau, woran das liegt — und welche du willst.

Bevor wir an Schrauben drehen, müssen wir verstehen, was Espresso überhaupt ausmacht. Denn wenn du das begriffen hast, ergibt alles andere plötzlich Sinn. Und das Wichtigste lernst du gleich mit: dein bestes Messgerät ist nicht die Maschine — es ist deine Zunge.
Erinnerst du dich an die fünf M? Mischung, Menge, Mahlgrad, Maschine, Mensch. Heute schauen wir aus der Vogelperspektive auf alle fünf; in den nächsten Kapiteln nehmen wir uns jedes einzeln vor.

Espresso ist keine Geschmacksrichtung und keine bestimmte Bohne. Espresso ist eine Methode: Heißes Wasser — etwa 90 bis 94 Grad — wird mit hohem Druck, rund neun Bar, durch fein gemahlenen, fest zusammengepressten Kaffee gepresst. Und das in nur 25 bis 30 Sekunden.
Heraus kommt eine kleine, konzentrierte Menge: ungefähr 25 bis 35 Milliliter, gekrönt von dieser Crema.

Damit kommen wir zu deinem wichtigsten Werkzeug — deiner Zunge. Stell dir eine waagerechte Achse vor: ganz links steht sauer, ganz rechts steht bitter. Und genau in der Mitte liegt dein Ziel — ein runder, süßlicher, ausgewogener Espresso.
Hands-on: Mach dir einen Espresso, ganz ohne Druck. Nimm einen Schluck und stell dir nur diese eine Frage: zieht es vorne seitlich zusammen, spitz und sauer? Oder hinten, hart und bitter? Oder ist es schon angenehm rund? Du musst noch nichts ändern — nur zum ersten Mal bewusst schmecken.


Espresso ist eine Methode — Druck, Hitze, kurze Zeit. Crema täuscht manchmal. Und deine Zunge entscheidet, auf einer Achse von sauer bis bitter, mit dem Ziel genau in der Mitte. Dein Auftrag: trink deinen nächsten Espresso ganz bewusst und entscheide dich — sauer oder bitter? Schreib es dir auf.

Die beste Maschine der Welt rettet keine alte, müde Bohne.
Bevor du an deiner Maschine auch nur einen Knopf drückst, ist die wichtigste Entscheidung schon gefallen — beim Einkauf. Heute kümmern wir uns um die ersten beiden M: die Mischung und die Menge.

Es gibt zwei Sorten, die zählen: Arabica und Robusta. Arabica ist die feine, aromatische — mit Fruchtigkeit, Süße und lebendiger Säure. Robusta ist kräftiger, herber, hat mehr Koffein und macht besonders viel Crema. Viele Espressomischungen kombinieren beide: viel Arabica für den Geschmack, ein Schuss Robusta für Crema und Körper.
Bei der Röstung gilt: je dunkler, desto weniger Säure, desto mehr Röstbittere und Körper. Für den Einstieg eine mittlere bis etwas dunklere Espressoröstung — die verzeiht mehr. Und merk dir: dunkel heißt nicht stark. Dunkel heißt bitter.

Jetzt das, was die meisten unterschätzen: Frische. Kaffee ist ein frisches Lebensmittel, kein Konservenfutter. Auf jeder guten Packung steht ein Röstdatum — und genau das zählt, nicht das Mindesthaltbarkeitsdatum.
Die ersten ein, zwei Wochen ist die Bohne noch zu jung, sie gast aus — lass sie ruhen. Von Woche zwei bis etwa Woche zwölf kommt der Sweet Spot. Ab drei Monaten flacht das Aroma ab. Kauf in Mengen, die du in vier, fünf Wochen wegtrinkst — ganze Bohnen, frisch gemahlen.

Hier hört das Schätzen auf und das Wiegen fängt an. Ein bewährter Startpunkt für einen doppelten Espresso: achtzehn Gramm gemahlener Kaffee rein, sechsunddreißig Gramm Espresso raus — ein Verhältnis von eins zu zwei. Du wiegst also nicht nur die Bohnen vorher, sondern auch die Tasse hinterher.
Warum so genau? Weil nur Zahlen deinen Espresso wiederholbar machen. Eine kleine Barista-Waage mit Zehntelgramm-Genauigkeit ist die günstigste große Verbesserung, die du machen kannst.


Sorte — eine gute Espressomischung. Röstung — mittel bis etwas dunkler für den Einstieg. Frische — Röstdatum lesen, im Sweet Spot bleiben, ganze Bohnen frisch mahlen. Und Menge — wiegen statt schätzen, achtzehn rein, sechsunddreißig raus. Dein Auftrag: kauf eine frische Tüte mit sichtbarem Röstdatum und besorg dir eine kleine Waage.

Die mächtigste Stellschraube, die du hast.
Hier liegen zwei Häufchen Kaffee, gleiche Bohne, gleiche Menge. Das eine grob wie Salz, das andere fein wie Puderzucker. Genau dieser Unterschied — die Feinheit der Mahlung — entscheidet mehr als jede andere Schraube, ob dein Espresso schmeckt oder nicht.

Er steuert, wie schnell das Wasser durch den Kaffee läuft. Mahlst du gröber, sind die Lücken größer — das Wasser rauscht zu schnell durch und nimmt zu wenig mit: dünn und sauer. Mahlst du feiner, wird der Widerstand größer, das Wasser löst mehr heraus. Wird es zu fein, verstopft alles und es wird bitter.
Deshalb gilt: gröber, wenn es zu langsam und bitter läuft. Feiner, wenn es zu schnell und sauer läuft. Diese zwei Sätze sind dein halbes Barista-Leben.

Es geht nicht nur darum, wie fein du mahlst, sondern wie gleichmäßig. Das Wasser ist faul — es sucht sich den leichtesten Weg, schießt durch grobe Stellen und bohrt sich einen Kanal. Das nennt man Channeling: ein Teil überextrahiert und bitter, der andere unterextrahiert und sauer, in derselben Tasse.
Deshalb ist eine gleichmäßig mahlende Mühle wichtiger als fast alles andere. Der alte Barista-Spruch: spar lieber an der Maschine als an der Mühle. Vergiss die billigen Schlagmühlen — was du willst, ist ein Scheiben- oder Kegelmahlwerk. Hauptsache kein Schlagwerk.

Das ist die lehrreichste Übung des ganzen Kurses. Stell deine Mühle bewusst zu grob und zieh einen Espresso — er rauscht durch, hell und wässrig. Dann deutlich feiner: jetzt tropft es zäh, dunkel, langsam.
Schmeck beide. Der eine sauer und dünn, der andere bitter — und irgendwo dazwischen liegt dein Punkt. Du musst ihn heute nicht perfekt treffen. Du sollst mit eigenen Augen und der eigenen Zunge sehen, wie viel ein kleiner Dreh bewegt.


Der Mahlgrad steuert die Durchlaufzeit und ist deine wichtigste Stellschraube. Zu schnell und sauer? Feiner mahlen. Zu langsam und bitter? Gröber. Gleichmäßigkeit ist König — eine ordentliche Mühle, niemals ein Schlagwerk, und immer frisch mahlen. Dein Auftrag: dreh bewusst einmal zu grob und einmal zu fein und schmeck den Unterschied.

Konstant ist das Schlüsselwort.
Das ist deine Maschine. In den letzten drei Kapiteln haben wir alles vorbereitet — Bohne, Menge, Mahlgrad. Heute lernst du dein Werkzeug richtig kennen: nicht jede Schraube, sondern das, was du wirklich verstehen musst, damit sie für dich arbeitet.

Zwei Dinge machen den Unterschied zwischen „Kaffee" und „Espresso". Das erste ist die Brühgruppe — das schwere Metallstück, durch das das heiße Wasser gepresst wird. Bei einer guten Maschine ist sie massiv: diese Masse speichert Wärme und sorgt für eine stabile Temperatur direkt am Brühkopf.
Das zweite ist die PID-Temperatursteuerung: sie hält die Brühtemperatur auf wenige Grad genau konstant. Schwächere Maschinen schwanken um zehn Grad — und zehn Grad sind der Unterschied zwischen süß und bitter. Ein guter Startwert liegt um die dreiundneunzig Grad.

Du liest oft „in zwei Minuten einsatzbereit". Nach zwei Minuten hat das Brühwasser zwar Temperatur — aber der schwere Siebträger und der Brühkopf sind noch kalt. Ziehst du jetzt, kühlt das kalte Metall dein Wasser ab, und der Espresso schmeckt flach.
Die ehrliche Antwort: gönn deiner Maschine rund acht Minuten, bis wirklich alles durchgewärmt ist. Dann schmeckt es am besten. Warm heißt nicht bereit — gib ihr Zeit oder flash einmal heißes Wasser durch.

Dein Espresso besteht zu über neunzig Prozent aus Wasser — nimm kein hartes, stark gechlortes Leitungswasser, sondern gefiltertes oder weiches. Das schmeckst du, und deine Maschine verkalkt langsamer.
Und die Dampflanze — der bewegliche Metallarm, mit dem wir später Milch aufschäumen. Eine wichtige Gewohnheit ab heute: nach jedem Aufschäumen die Lanze sofort mit einem feuchten Tuch abwischen und kurz durchpusten. Eingetrocknete Milch ist sonst kaum mehr zu entfernen.


Die massive Brühgruppe und die PID-Steuerung sorgen für die konstante Temperatur, die guten Espresso erst möglich macht. Warm heißt nicht bereit — gib ihr Zeit oder flash. Nimm gutes Wasser. Und wisch die Lanze ab. Dein Auftrag: heiz deine Maschine richtig auf, flash einmal und mach dich mit jedem Bauteil vertraut.

Das fünfte und größte M: der Mensch. Das bist du.
Schau dir diesen Strahl an: ein einziger, zentrierter Faden, gleichmäßig, honigfarben. So sieht es aus, wenn alles stimmt — und das entscheidet sich in den dreißig Sekunden, bevor du den Knopf drückst, bei der Vorbereitung des Kaffeebetts. Profis nennen es den Puck.

Vier Schritte, immer in dieser Reihenfolge. Eins, Dosieren: deine achtzehn Gramm kommen möglichst gleichmäßig ins Sieb. Zwei, WDT: mit einem Werkzeug aus feinen Nädelchen fährst du durch das Pulver und löst alle Klümpchen auf — der wirksamste Trick gegen ungleichmäßige Extraktion.
Drei, Levelling: die Oberfläche glatt und eben verteilen. Vier, Tampern: das Pulver fest andrücken — und hier zählt nur eines: gerade. Nicht besonders kräftig, sondern absolut waagerecht, der Tamper plan aufgesetzt. Fertig ist dein Puck.

Erinnerst du dich an das faule Wasser aus dem Mahlgrad-Kapitel? Es sucht sich immer den leichtesten Weg. Drückst du den Tamper schief an, ist eine Seite des Pucks dichter gepackt. Das Wasser ignoriert die dichte Seite und schießt durch die lockere — Channeling, mitten durch deinen schönen Puck.
Deshalb keine Akrobatik beim Tampern, sondern ruhig, plan, gerade. Lieber langsam und eben als kräftig und schief.

Und jetzt das beste Lernwerkzeug, das es gibt: den bodenlosen Siebträger. Sein Boden ist offen, du schaust dem Kaffee von unten beim Herauslaufen zu — und er zeigt dir gnadenlos jeden Fehler.
Läuft der Strahl schön aus der Mitte und vereint sich zu einem Faden — perfekt. Tropft es nur an einer Seite — dein Tamper war schief. Spritzt es wild — da ist Channeling. Der bodenlose Siebträger ist dein ehrlichster Lehrmeister. Er macht das Unsichtbare sichtbar.



Vier Handgriffe, immer gleich — Dosieren, Klümpchen lösen, glatt verteilen, gerade tampern. Gerade schlägt kräftig. Und der bodenlose Siebträger ist dein ehrlichster Lehrmeister. Dein Auftrag: bau drei Pucks, zieh sie bodenlos und beobachte den Strahl — wo läuft er schief, und warum?

Einstellen, schmecken, nachjustieren — bis es sitzt.
Drei Espressi, gleiche Bohne, gleiche Maschine. Der linke rauscht durch und ist blass. Der rechte tropft zäh und dunkel. Nur der mittlere ist goldrichtig. Heute lernst du, jeden Bezug zu lesen und gezielt in die Mitte zu bringen — das nennt man Dialing In.

Du brauchst drei Anker, und zwei kennst du schon. Erstens die Menge rein: achtzehn Gramm, gewogen. Zweitens die Menge raus: sechsunddreißig Gramm, ein Verhältnis von eins zu zwei. Und drittens, neu: die Zeit — ein guter Espresso läuft in etwa fünfundzwanzig bis dreißig Sekunden durch, ab dem Moment, in dem du die Pumpe startest.
Diese drei zusammen sind dein Rezept. Und meistens stimmt etwas an der Zeit nicht — die steuerst du, du ahnst es, über den Mahlgrad.

Läuft dein Espresso in unter zwanzig Sekunden durch, spritzt und ist blass — dann lief das Wasser zu schnell und hat zu wenig gelöst: unterextrahiert, sauer und dünn. Deine Maßnahme: feiner mahlen. Tropft er zäh und dunkel über vierzig Sekunden — überextrahiert und bitter: gröber mahlen.
Manchmal ist nicht der Mahlgrad schuld, sondern die Vorbereitung: schmeckt er mal sauer, mal bitter, ohne dass du etwas geändert hast, und der bodenlose Siebträger spritzt — dann hast du Channeling. Die Lösung liegt dann bei Kapitel fünf: sauberer verteilen, gerade tampern.

Zieh einen Espresso mit deinen achtzehn Gramm und stopp die Zeit. Schmeck und schau auf die Uhr. Zu schnell und sauer? Stell die Mühle eine Stufe feiner und zieh nochmal — nur den Mahlgrad ändern, sonst nichts.
Taste dich heran, Versuch für Versuch, bis du bei fünfundzwanzig bis dreißig Sekunden und rundem Geschmack landest. Und dann, ganz wichtig: schreib Bohne, Mahlgrad-Stufe und Zeit auf. Das ist dein Rezept für genau diese Tüte.



Drei Anker — achtzehn rein, sechsunddreißig raus, fünfundzwanzig bis dreißig Sekunden. Sauer und schnell? Feiner. Bitter und langsam? Gröber. Immer nur eine Schraube. Und das Rezept aufschreiben. Dein Auftrag: dial deine aktuelle Bohne ein, bis sie rund schmeckt, und notier die Werte.

Erst Luft rein, dann fein rollen.
Schau dir das an — es glänzt wie nasse Farbe und fließt wie Seide. Das ist kein Schaum mit großen Blasen, wie ihn ein Löffel macht. Das ist Mikroschaum: samtig, feinporig, süß. Und es ist einfacher, als es aussieht, wenn du zwei Dinge verstehst: wann du Luft hineinlässt, und wann du aufhörst.

Beim Milchschaum passieren zwei Dinge nacheinander. Erstens ziehst du Luft in die Milch — das macht Volumen und Schaum. Zweitens rollst du diese Luft zu ganz feinen Bläschen, bis nichts Grobes mehr übrig ist. Erst Luft rein, dann fein rollen.
Du steuerst das mit den Ohren. Phase eins, das Ziehen: Lanze knapp unter die Oberfläche, aufdrehen — ein sanftes, regelmäßiges Zischen, jedes ein kleiner Schluck Luft. Senk das Kännchen langsam, während die Milch steigt.

Phase zwei, das Rollen: Lanze etwas tiefer, Kännchen kippen und den Whirlpool suchen, bis das Zischen verschwindet und es nur noch satt rollt. Das bricht die groben Blasen fein.
Die Temperatur fühlst du mit der Hand am Kännchen. Ziel: sechzig bis fünfundsechzig Grad — schön warm, und dabei wird die Milch von Natur aus süßer. Wird es zu heiß zum Anfassen, ist Schluss. Über siebzig Grad verbrennt die Milch, sie verliert den Glanz. Lieber etwas zu früh aufhören als zu spät.

Kaltes Kännchen, kalte Milch, bis zum Ausguss. Lanze knapp unter die Oberfläche, aufdrehen — und hör auf das Zischen. Ein paar Sekunden Luft ziehen, Kännchen langsam absenken. Dann Lanze tiefer, Kännchen kippen, den Whirlpool suchen.
Fühl die Wärme. Glänzt es? Dann aus. Wisch die Lanze ab. Vergiss am Anfang die Latte Art — übe nur die Konsistenz: glänzend, seidig, keine groben Blasen.


Erst Luft ziehen — das Zischen —, dann rollen — der Whirlpool —, dann polieren bis zum Glanz. Sechzig bis fünfundsechzig Grad, mit der Hand gefühlt. Und Lanze sofort reinigen. Dein Auftrag: schäum dreimal Milch und jag nur einem Ziel hinterher — der nassen-Farbe-Optik.

Zu neunzig Prozent Basis, zu zehn Prozent Hand.
Ein letzter Zug — und aus dem weißen Fleck wird ein Herz. Latte Art ist das Sahnehäubchen auf allem, was du gelernt hast. Das Wichtigste daran passiert, bevor du gießt — und das kann ich dir auch so erklären.

Hör gut zu, das ist die wichtigste Minute: Latte Art ist zu neunzig Prozent das Ergebnis von gutem Espresso und gutem Mikroschaum — und nur zu zehn Prozent Handbewegung. Ohne ordentliche Crema fehlt die braune Leinwand. Ist der Schaum zu steif, plumpst er als Klumpen rein; ist er zu flüssig, versinkt das Muster.
Heißt: bevor du ans Gießen denkst, müssen Kapitel sechs und sieben sitzen — runder Espresso, glänzender Mikroschaum. Stimmt die Basis, kommt das Muster fast von allein.

Zwei Hebel steuern alles: Höhe und Nähe. Am Anfang gießt du aus etwas Höhe und dünn — so taucht die weiße Milch unter die Crema und füllt die Tasse, ohne dass schon etwas zu sehen ist. Erst wenn die Tasse halb voll ist, gehst du nah an die Oberfläche und gießt etwas schneller — jetzt legt sich der Schaum sichtbar oben auf.
Das ganze Geheimnis: tief und nah malt, hoch und dünn füllt. Und der Schlussstrich: am Ende das Kännchen anheben und einen dünnen Strahl rückwärts durch das Muster ziehen — das schneidet Herz und Blatt sauber durch.


Latte Art ist zu neunzig Prozent Basis — guter Espresso, guter Schaum — und zu zehn Prozent Hand. Hoch und dünn füllt, tief und nah malt, der Schlussstrich zieht durch. Der Stammbaum: Punkt, Herz, Tulpe, Rosetta — fang beim Herz an. Dein Auftrag: gieß fünf Herzen, fotografier sie, und sieh dir deinen Fortschritt an.

Ein Espresso in zehn Kleidern.
Schau dir diese Reihe an, von der winzigen Tasse bis zur großen. Sie alle beginnen mit demselben: deinem Espresso. Ristretto, Cappuccino, Flat White, Americano — das sind keine zehn verschiedenen Kaffees, sondern ein Espresso in zehn Kleidern.

Du hast jetzt alle Bausteine — Espresso, Wasser, Milch, Schaum. Das Geheimnis ist simpel: fast jedes Getränk ist nur ein anderes Verhältnis dieser vier Dinge.
In der Mitte steht der Espresso — pur, der Kern von allem. Lässt du bei gleicher Kaffeemenge weniger durchlaufen, bekommst du einen Ristretto: kürzer, dichter, intensiver. Lässt du mehr Wasser durchlaufen, einen Lungo: länger, milder. Ein Americano ist Espresso mit heißem Wasser, ein Cortado mild mit wenig Milch.

Die häufigste Verwechslung: Cappuccino und Flat White. Beide sind Espresso mit Milch — der Unterschied liegt im Schaum. Der Cappuccino hat eine dicke, luftige Schaumhaube, etwa ein Drittel der Tasse; er ist lockerer, schaumiger.
Der Flat White hat viel mehr flüssige Milch und nur eine dünne, glänzende Schaumschicht obendrauf — „flat", flach. Dadurch schmeckt er milchiger und der Kaffee kommt direkter durch. Kennst du diesen einen Unterschied, verstehst du die halbe Kaffeekarte.


Alle Getränke sind ein Espresso in anderen Verhältnissen — mehr oder weniger Wasser, Milch und Schaum. Ristretto kurz, Lungo lang, Americano mit Wasser, Cortado mild, Cappuccino mit Schaumhaube, Flat White milchig-flach. Dein Auftrag: bau deine drei Lieblingsgetränke einmal bewusst nach Verhältnis.

Guten Espresso dauerhaft gut halten.
Der letzte Espresso des Tages. Die Maschine glänzt, alles ist sauber — und genau das ist kein Zufall, sondern Gewohnheit. In dieser letzten Folge geht es um das, was deinen guten Espresso dauerhaft gut hält: Pflege und Routine.

Eine gepflegte Maschine ist die halbe Miete — verschmutzte Siebe, alte Kaffeefette und Kalk schmeckt man. Pflege läuft in drei Rhythmen, dann vergisst du nie etwas.
Erster Rhythmus, nach jedem Bezug, dreißig Sekunden: Brühkopf kurz spülen, die Dampflanze abwischen und durchpusten — der wichtigste Handgriff — und den Siebträger ausklopfen. Dazu wöchentliches Rückspülen und, ab und zu, ein Entkalkungslauf.

Ein wichtiger Punkt, den du kennen musst: Verkalkungsschäden sind von der Garantie nicht gedeckt — bei praktisch allen Herstellern. Der Grund ist einfach: Kalk ist vermeidbar.
Mit gutem, weichem oder gefiltertem Wasser und regelmäßigem Entkalken verkalkt deine Maschine kaum. Das ist der billigste Schutz, den es gibt — ein bisschen auf das Wasser achten, statt später einen teuren Schaden zu riskieren.

Wenn doch mal was klemmt: Kein Druck und der Espresso tröpfelt nur? Meist zu fein gemahlen — gröber mahlen. Keine Crema? Bohnen zu alt, oder Maschine und Tasse zu kalt — zurück zu Frische und Aufheizen. Milch schäumt nicht? Lanze verstopft oder Milch nicht kalt.
Espresso schmeckt plötzlich anders? Neue Tüte Bohnen — du musst neu eindialen. Du siehst: fast jedes Problem führt zurück auf eine der fünf M, die du jetzt alle beherrschst.


Und damit schließt sich der Kreis. Du kennst deine fünf M: Mischung, Menge, Mahlgrad, Maschine, Mensch. Du liest die Extraktion, schäumst Milch, gießt ein Herz und hältst deine Maschine in Schuss. Du drückst keinen Knopf mehr und hoffst — du machst Espresso, bewusst und verlässlich, mit deinen Händen. Willkommen, Barista.
omaneo importiert und vermarktet Espresso- und Kaffeemaschinen, Mühlen und Barista-Zubehör für alle, die mehr aus ihrem Kaffee machen möchten — mit Transparenz über Hersteller, Lieferkette und Qualität.
Alle elf Folgen des Barista-Kurses, PDF-Begleiter je Folge und weiteres Espresso-Wissen findest du unter omaneo.de/barista-kurs.php.
omaneo — und DU kannst Espresso.

und DU kannst Espresso.
Das Buch zum elfteiligen omaneo-Barista-Videokurs.
Die fünf M — von der Bohne bis zur Meisterschaft.
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